Untersuchung und Datierung von Tinten durch Röntgenfluoreszenzanalyse

Abb. 1: Messung mittels mobiler Röntgenfluoreszenzanalyse. GSA 25/W 1567 (WA: III H1), Bl. 4r mit über dem Objekt ruhendem Messkopf.

Im Januar 2013 ist in Kooperation mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) an ausgewählten Handschriften im Goethe- und Schiller-Archiv die mobile Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) zum Einsatz gekommen. Auf der Grundlage der Zusammensetzung der verwendeten Eisengallustinten sollten entstehungsgeschichtliche Erkenntnisse über spezielle Teile des handschriftlichen Materials gewonnen werden. Wie im Fall der ähnlich angelegten Untersuchungen im Rahmen der Marburger Ausgabe der Werke Georg Büchners in den Jahren 2003 bis 2005 (vgl. Dedner u.a. 2005), wurde sowohl eine Datierung von Handschriften insgesamt als auch eine besser fundierte Unterscheidung von Bearbeitungsschichten innerhalb von Handschriften angestrebt, an denen Goethe längere Zeit oder in großen Abständen gearbeitet hat.

Das Verfahren beruht auf dem atomaren Prozess der Röntgenfluoreszenz. Zunächst wird ein Atom durch Röntgenstrahlung in einen energetisch höheren Zustand versetzt (Anregung), aus dem das Atom sehr schnell wieder in den energetisch niedrigeren Grundzustand zurückkehrt. Dabei sendet es Röntgenstrahlung aus, deren Energie auf das angeregte Element schließen lässt. Aufgrund der detektierten Energieverteilung der Röntgenfluoreszenzstrahlung können die vorhandenen Elemente identifiziert und auch ihr Mengenverhältnis bestimmt werden (für weitere Angaben zur RFA, zum eingesetzten Gerät sowie zu weiterführender Literatur vgl. Brüning u.a. 2013). Eisengallustinte, wie sie auch Goethe und seine Schreiber verwendeten, wird generell auf die metallischen Bestandteile des zur Herstellung verwendeten Eisenvitriols hin untersucht. Die Differenzierung der Tinten basiert auf der Konzentration der metallischen Nebenbestandteile in Relation zum Hauptbestandteil Eisen. Als am aussagekräftigsten erwiesen sich im Fall der für die RFA ausgewählten Handschriften die relativen Konzentrationen von Kupfer und Kalium.

Abb. 2: Relative Konzentrationen, ausgedrückt im sog. Fingerprint-Wert W, von Kupfer (Cu) als Funktion der relativen Konzentration von Kalium (K). Dargestellt sind alle Ergebnisse der Messungen.

An folgenden Handschriften wurden durch Oliver Hahn (Berlin / Hamburg) und Georg Dietz (Dresden) Messungen angestellt:

GSA 25/W 1493GSA 25/W 1567GSA 25/W 1589GSA 25/W 1618GSA 25/W 1698GSA 25/W 1729GSA 25/W 1752GSA 25/W 1753GSA 25/W 1800 – GSA 28/1053, Bl. 123 – GSA 29/553a,I – GSA 68/152, St. 63 und 153

Die Ergebnisse liegen in Form eines Diagramms vor (vgl. Abb. 2). Die Auswertung der Messergebnisse dauert zurzeit noch an.

Weiterführende Hinweise